14.02.2020 09:44

MDK-Reformgesetz bedroht auch das Klinikum Altenburger Land

Strafzahlungen für soziale Verantwortung gegenüber den Patienten

Altenburg, 13. 02.2020 - Künftig müssen Krankenhäuser eine Strafzahlung entrichten, wenn der Medizinische Dienst (MD) eine Abrechnung beanstandet. Die Strafzahlung beträgt zehn Prozent der Differenz zwischen dem ursprünglichen und dem geminderten Abrechnungsbetrag, mindestens jedoch 300 Euro pro Fall.

Je nach der Anzahl der beanstandeten Rechnungen kann die Prüfquote für einzelne Häuser in den kommenden Jahren sogar weiter steigen.
Dieses Gesetz wurde im Dezember 2019 beschlossen und ist zum 1. Januar 2020 in Kraft getreten. „Den Krankenhäusern werden vom Gesetzgeber erhebliche finanzielle Lasten aufgebürdet. Das treibt die Krankenhäuser in die roten Zahlen“ warnt die Geschäftsführerin des Klinikums Altenburger Land, Dr. Gundula Werner.
In den meisten Fällen bemängelt  der MD einen zu langen Krankenhausaufenthalt. Die Verweildauer ist meist jedoch keine Frage der richtigen oder falschen Abrechnung, sondern überwiegende der gegebenen Behandlungssituation geschuldet" weiß die erfahrene Klinikumsleiterin.
Beispiel 1:
Eine Patientin wird aufgrund eines Sturzes auf die rechte Seite in der eigenen Häuslichkeit mit dem Rettungsdienst in unsere Notaufnahme gebracht. Die stationäre Aufnahme der Patientin erfolgte nach Auswertung des Röntgenbildes der rechten Hüfte, welches den Verdacht auf eine Schenkelhalsfraktur erhärtete.
Im gegenseitigen Einvernehmen mit der Patientin beantragte das Klinikum Altenburger Land eine geriatrische Anschlussheilbehandlung. Diese wurde zeitnah am 1. Tag nach der Operation beantragt. Die früheste Verlegung war laut geriatrischer Klinik erst einige Tage später möglich.
Der MDK kürzte dem Klinikum 5 Tage mit folgender Begründung: „Nach Einsicht in die vorliegenden Unterlagen wäre die Behandlung der Versicherten innerhalb der oberen Grenzverweildauer der abgerechneten DRG mit früherer Durchführung einer geriatrischen Reha möglich gewesen.“
In Summe handelt es sich um 1.400,00€ Kürzung. Ab 2020 werden zusätzlich 300,00€ „Strafzahlung“ fällig.
Beispiel 2:
Die stationäre Aufnahme einer 83 jährigen Patientin erfolgte aufgrund eines Sturzes auf das linke Knie. In der Röntgenuntersuchung zeigte sich links ein Schienbeinkopfbruch, der am 16.01.2019 operativ versorgt werden musste. Der Antrag auf Kurzzeitpflege erfolgte am 22.01.2019. Die Patientin konnte erst am 29.01.2019 in die Kurzzeitpflege entlassen werden.
Der MDK streicht 4 Behandlungstage mit einem Verlust von 1.070,00 €. Ab 2020 werden zusätzlich 300,00 € „Strafzahlung“ fällig.
Beispiel 3:
Eine 79-jährige Patientin wurde am 29.01.2019 mit rezidivierendem Erbrechen mit Verdacht auf eine Gallenblasenkolik mit Stein stationär aufgenommen. Zudem zeigte sich eine Elektrolytstörung. Am 07.02.2019 erging ein Eilantrag zur Kurzzeitpflege.
Am 19.02.2019 konnte die Patientin in einem stabilen Allgemeinzustand wach und bewusstseinsklar in die Kurzeitpflegeeinrichtung verlegt werden.
Der MDK kürzt 4 Behandlungstage mit einem Verlust von 1.760,00€. Ab 2020 werden zusätzlich 300,00€ „Strafzahlung“ fällig.

Dies sind nur drei Beispiele von vielen, die jedes Krankenhaus vorweisen kann.
„Wir sollen bestraft werden, weil wir verantwortungsvoll  mit unseren Patienten umgehen“ ist Geschäftsführerin Dr. Gundula Werner aus gutem Grund verärgert.
Die Leistungen, um die hier gestritten werden, sind für die Patienten erbracht worden. Mit Begriffen wie „Falschabrechnung“ wird Abrechnungsbetrug unterstellt und das ist falsch. Daher verstehen die Krankenhäuser die Kürzungen des MD als eine Herabwürdigung ihrer Arbeit am kranken Menschen. Diese zusätzlich erbrachten Behandlungstage nicht zu vergüten und dazu noch mit Strafzahlungen zu belegen ist etwas, was alle Mitarbeitenden der Krankenhäuser aus tiefstem Herzen empört.

Es ist skandalös, dass Krankenhäuser für Versorgungslücken auf anderen Gebieten, wie z.B. auf dem Pflegesektor, finanziell aufkommen sollen. Die Situation wird sich auch mit dem zunehmenden Mangel an Pflegeplätzen für die Krankenhäuser zukünftig verschärfen.  
„Wir sind angehalten, wirtschaftlich zu arbeiten“ überlegt Dr. Gundula Werner weiter und stellt Fragen: „Sollen unsere Mitarbeiter zukünftig pflegebedürftige, aber nicht krankenhausbehandlungsbedürftige Patienten nach Hause entlassen? Wer soll das vertreten? Wir wollen Menschen für den Arzt- und Pflegeberuf gewinnen. Sind das die richtigen Anreize?“

Das Klinikum Altenburger Land engagiert sich daher auch in der Öffentlichkeit für die Änderungsanträge zum MDK-Reformgesetz.

Text: Christine Helbig

 

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